Schreibwerkstätten
Rot
Das Herz
In meinem Körper
Ich fühle es schlagen
Liebe
von Julia
Meine erste Schreibwerkstatt mit Kindern ist schon viele Jahre her. Sie kam zustande, indem mich eine angehende Lehrerin kurzerhand in ein kreatives Schreibprojekt einband, das sie im Rahmen ihres zweiten Staatsexamens machte.
So erlebte ich zum ersten Mal, wie auch viele blockierte und am Lesen und Schreiben vermeintlich desinteressierte Kinder verblüffende Potenziale freizusetzen begannen.
Diese Erfahrung war sehr wohltuend.
Ich habe seitdem im Lauf der Jahre zahlreiche Schreibwerkstätten mit sehr unterschiedlichen Teilnehmern an sehr unterschiedlichen Orten durchgeführt.
Ein verlässlicher Partner ist dabei die Akademie der Künste, für die ich sowohl im Stammsitz am Hanseatenweg in Berlin-Tiergarten als auch in sogenanten Problemregionen wie Bitterfeld/Wolfen und der Stadt Brandenburg an der Havel engagiert war und bin.
An einer anderen sozial anspruchsvollen Institution, der Lenau-Grundschule in Berlin-Kreuzberg habe ich vorwiegend multikulturelle Schüler ebenso bei der künstlerischen Textarbeit unterstützt wie die Besucher des Freizeitbereichs im Jugendzentrum Haus am Anger in Falkensee bei Berlin und die Schüler der Offenen Schule Waldau/Kassel. Außerdem arbeite ich regelmäßig für die Abteilung Schule & Kultur des Schulamts im Kanton Zürich mit Schweizer Stadt- und Dorfkindern.
Ich verstehe die zentrale Funktion von Schreibwerkstätten so:
Es geht darum, unter einer Anleitung, die sich mit Gefühl und Intellekt den individuell unterschiedlichen Notwendigkeiten anpasst, den Spaß am Handwerk und an der Freiheit des Schreibens zu spüren.
Lese- und Schreibfähigkeiten gehören unbestritten zu den Grundvoraussetzungen für eine vollständige und eigenverantwortliche Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Sie können und sollten aus meiner Sicht aber mehr als das sein.
Das Lesen und Schreiben bietet Möglichkeiten zur Selbsterfahrung und Selbstverwirklichung, zu gedanklicher Freiheit und zu allerlei Erkenntnisgewinn.
Es ist wie eine Eintrittskarte zur Kreativitätsentfaltung, die wiederum viele andere Kunst- und Kulturformen erfahrbar macht. Die Spannbreite reicht dabei vom winzigen Nonsensgedicht bis zur großen Theaterinszenierung.
Obendrein bringt das Schreiben und Lesen manchen Leuten bisweilen sogar Momente vollkommener Zufriedenheit.
Mir zum Beispiel.
Natürlich wird in einer Schreibwerkstatt auch viel gelesen. Zur Tätigkeit des Schreibens gehört unabdingbar das anschließende und wiederholte Lesen der eigenen Texte und derjenigen anderer Teilnehmer. In der Regel kommt es ab einem bestimmten Arbeitsfortschritt auch zum gegenseitigen Vortragen der Arbeiten.
Freies Schreiben ohne unmittelbaren Lern- und Notendruck ist ein geeignetes Instrument, um dem gesamten Umgang mit der geschriebenen und gedruckten Sprache einen außergewöhnlichen Motivationsschub zu geben.
Die Mindestdauer einer Werkstatt sollte vier Schulstunden betragen, eine Begrenzung nach oben gibt es theoretisch nicht.
Der Ablauf ist variabel:
In der Regel startet das Projekt mit einer etwas ausführlicheren persönlichen Vorstellung. Das bedeutet nichts weiter, als dass ich ein paar Sätze mehr sage als nur Guten Tag. Daran schließe ich eine kurze, auflockernde Lesung an.
In der Fortsetzung bieten sich viele Möglichkeiten. Einige davon sind:
- die Durchführung von Schreib- und Sprachspielen
- das Verfassen von formal vorstrukturierten Texten (z.B. Elfchen-Gedichten)
- die Vermittlung einfacher Erzähltechniken
- die unterhaltsame Erklärung grundlegender schriftstellerischer Begriffe
- oder die Fortsetzung einer nicht bis zum Schluss vorgetragenen Geschichte.
Vor allem aber steht die gemeinsame Textarbeit im Mittelpunkt, das Zwiegespräch und möglicherweise die Erörterung in der Gruppe - über Realtät und Fantasie, über Vorstellungen und Formulierungen, und warum nicht auch über Gott und die Welt.
Es ist für alle Beteiligten schön, wenn das Resultat der Werkstatt letztlich in einem gebundenen und vielleicht sogar illustrierten Druckwerk besteht. Diese Arbeit erfolgt in der Regel im Nachgang, möglicherweise in Kooperation mit dem Kunstunterricht.
Weitere Textbeispiele aus der Werkstattarbeit:
Berlin, die große Stadt
Berlin - die große Stadt,
es ist schön hier zu sein.
Hier sind viele Menschen,
das ist an Berlin das Beste.
Es gibt viel Schönes an Berlin,
aber ich kann das nicht sagen.
Am besten, Sie gehen im Frühling hin
und überzeugen sich selbst.
von Toma
Ich bin das Feuer.
Ich bin nicht geheuer.
Baum, soll ich dich anzünden?
Ich bin das Feuer.
Ich lege Städte in Schutt und Asche.
Ich bin das Feuer.
Ich bin frei.
Versucht doch , mich zu löschen!
HAHAHA!
von Stefan
















